huhn fuss 2

Bio-Eier von Zweinutzungshühnern

Auf unserem Hof halten wir ausschließlich Zweinutzungshühner. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es in der Hühnerzucht nur ein Entweder-Oder: Entweder steht die Eierlegeleistung oder die Mastleistung im Vordergrund. Für die Legeleistung sind daher die männlichen Tiere irrelevant – dies führte zum Töten der männlichen Küken nach dem Schlupf („Kükenschreddern“). Seit Kurzem wurde die Tötung männlicher Küken sogar noch vorverlagert: Am 9. Tag der Brutphase wird das Geschlecht im Ei bestimmt (In-Ovo-Selektion) und die Eier mit männlichen Embryonen werden vernichtet.

Das Zweinutzungshuhn, auch Zwiehuhn genannt, vereint beide Eigenschaften: Die weiblichen Tiere legen Eier und sind kräftiger und schwerer als reine Legehennen. Die männlichen Tiere eignen sich zur Mast, und werden deshalb nicht während oder unmittelbar nach der Brutphase getötet. Die Kombination beider Eigenschaften hat jedoch Nachteile, weshalb die Zwiehühner aus der modernen industriellen Landwirtschaft verbannt wurden: Während auf Höchstleistung gezüchtete Legehennen 330 Eier pro Jahr legen, kommen moderne Zweinutzungshühner auf „nur“ 230 Eier pro Jahr. Hennen alter Rassen, z.B. das Augsburger Huhn, das Sachsenhuhn oder das Sulmtaler Huhn, legen sogar „nur“ 180 Eier pro Jahr – also jeden zweiten Tag ein Ei.

Da wir der Überzeugung sind, dass nur die Haltung von Zweinutzungshühnern ethisch vertretbar ist, und Zwiehühner gleichzeitig robuster und gesünder sind, haben wir uns bewusst für diese Tiere entschieden.

streuobstwiese landwirtschaft bioland betrieb
huhn fuss 1

Unsere „modernen“ Zweinutzungshühner

Momentan beherbergen wir auf unserem Hof etwa 460 Hennen der Zweinutzungsrasse „Cream & Coffee“ der Ökologischen Tierzucht gGmbH. Unsere Tiere stammen also von einer kleinen, in Deutschland ansässigen und gemeinnützigen Firma, über deren Partnerbetriebe in Süddeutschland wir unsere Junghennen beziehen. Die weltweite Hühnerzucht wird von einigen wenigen Großkonzernen dominiert, die die Brut, die Kükenaufzucht und die Junghennenaufzucht an verschiedensten Orten durchführen lassen. Diese Tiere haben bis zur Einstallung mitunter bereits einen Hunderte Kilometer langen Weg quer durch Europa hinter sich! Unsere Zweinutzungshühner können auf einen weitaus kürzeren Fahrweg zurückblicken.

alte schaeferei huehner zweinutzungshuehner

Unsere „Cream & Coffee“-Hennen legen beige bis braune Eier und wiegen ca. 2,2 Kilogramm. Sie leben in zwei Mobilställen, die im Landkreis Augsburg produziert wurden, und werden nach den strengen Bioland-Richtlinien gehalten. Dementsprechend sind die Ställe für jeweils 239 Hennen in ökologischer Haltung ausgelegt – in konventioneller Haltung sind diese Ställe für fast 100 Hennen mehr zugelassen. Dies bedeutet, dass sich fast 100 Tiere mehr dieselbe Länge an Sitzstangen, denselben Platz in den Legenestern, am Futtertrog und an den Tränken teilen müssen. Da die Hennen mindestens die Hälfte des Tages im Stall verbringen, bedeuten 100 Tiere weniger einen geringeren Stressfaktor und dafür mehr Tierwohl und mehr Tiergesundheit!

Unsere Hühner erhalten reines Bio-Futter von einer Futtermühle, die regional erzeugte Komponenten verarbeitet. Einen Teil des Futters erzeugen wir selbst auf unseren Äckern. Außerdem erhalten unsere Hühner ein besonderes Leckerli: Der in der auf unserem Hof ansässigen Bio-Brauerei „Rotes Pony“ anfallende Treber wird auch an unsere Hühner verfüttert. Üblicherweise ein Abfallprodukt, findet der Biertreber bei uns eine sinnvolle Verwendung und wird dem natürlichen Kreislauf zugeführt.

Die Wiesen, auf denen die Hühner weiden, werden nicht mit chemischem Dünger versehen oder mit chemischer Unkrautbekämpfung behandelt. Die Mobilställe verziehen wir regelmäßig, damit die Hennen stets frisches Gras unter ihren Krallen haben.

landwirtschaft bayern biobauer

Weshalb hat das Ei der „Cream & Coffee“-Hennen seinen Preis?

  • Weniger Eier als Höchstleistungs-Legehennen → mehr Tiergesundheit
  • Ausschließlich regionales Bio-Futter oder Futter aus eigenem Anbau → kurze Wege
  • Mehr Platz im Stall als in konventioneller Haltung →  weniger Stress, mehr Tierwohl
  • Junghähne werden aufgezogen → mehr Tierwohl
  • Junghennen aus einem kleinen gemeinnützigen Unternehmen kosten ein Mehrfaches von Hennen aus weltweit agierenden Großkonzernen → mehr Regionalität

Unsere Tiere

460

ÖTZ-Hennen

145gr

Bio-Futter pro Tag

230 Eier

legt eine Cream & Coffee Henne pro Jahr

huhn fuss 2

Unsere anderen Zwiehühner: vom Aussterben bedroht

Außerdem halten wir eine kleine Herde Augsburger Hühner, die in einem Stall an der Hofstelle lebt. Das Augsburger Huhn wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Haunstetten erzüchtet und gilt als einzige bayerische Hühnerrasse. Beim Augsburger Huhn handelt es sich um ein klassisches Zweinutzungshuhn, das nach dem Zweiten Weltkrieg sukzessive von Lege- oder Masthybriden verdrängt wurde. Daher ist diese Hühnerrasse inzwischen vom Aussterben bedroht und ausschließlich im Hobbyzüchterbereich anzutreffen. Die Hühner unserer aktuellen Herde haben wir als Eintagesküken von zwei Mitgliedern im „Sonderverein der Züchter des Augsburger Huhnes und der Zwerg-Augsburger“ erhalten, dem wir inzwischen auch selbst angehören.

Das Augsburger Huhn zeichnet sich durch sein schwarzes, grün schimmerndes Gefieder, seinen Becher- oder Kronenkamm und die weißen Ohrscheiben aus. Die Hennen legen mittelgroße strahlend weiße Eier – perfekt für bunte Ostereier! Außerdem schmecken sie sehr fein und haben bereits eine kleine Fangemeinde.

bioregionale produkte bioland betrieb ökologische landwirtschaft

Unser Ziel ist es, das Augsburger Huhn in den landwirtschaftlichen Kreislauf zurückzuführen und dadurch einen Beitrag zum Arterhalt und zur Biodiversität zu erhalten. Durch den Verzehr der Eier und der Hähnchen tragen Sie also dazu bei, dass die Augsburger Hühner „gebraucht“ werden und so ihr Bestand über kleine Zuchtstämme der Hobbyzüchter hinaus gesichert werden kann. Auch wir haben einen Zuchtstamm und können dadurch auf unserem Hof eine eigene Nachzucht durchführen. Dies ist mittlerweile eine Rarität, da die Tiere entweder als Eintagesküken oder – weitaus häufiger – erst im Alter von sechs oder 18 Wochen auf den Betrieb kommen!

Auch unsere Augsburger Hühner werden nach Bioland-Kriterien gehalten, haben daher viel Platz im Stall und täglich Auslauf in unserem Obstgarten. Sie erhalten ebenfalls reines Bio-Futter, das zum Teil aus eigener Erzeugung stammt.

Zu jeder Henne gehört ein Hahn!

Da aus Bruteiern Hennen und Hähne im Verhältnis 50:50 schlüpfen, gehört zu jeder eierlegenden Henne ein Hahn, der zur Fleischerzeugung dient. Nur bei echten Zweinutzungshühnern ist das Verhältnis zwischen Eierlegen und Mastleistung ausgewogen, sodass sich Beides und damit auch die Aufzucht des Hahns wirtschaftlich rechnet. Kükentöten gibt es bei Zweinutzungshühnern nicht!

Auf unserem Hof leben selbstverständlich neben den Hennen in regelmäßigen Abständen auch Hähnchen, die wir entweder auf dem Hof ausbrüten oder im Alter von wenigen Wochen von einem Partnerbetrieb beziehen.

Anders als das Fleisch der Hochleistungsmasthybriden eignet sich das Fleisch von Zweinutzungshühnern weniger zum Kurzanbraten, sondern vielmehr zum Grillen oder für klassische Schmorgerichte.

967104BA 7223 4C86 A589 C7479E74BE00